«Meine Berufung leben im Alltag . . .»

 

Berichte eingesegneter Schwestern

  
 
von Schwester Silvia Pauli
 
Die Berufung ist kein einmaliger Entschluss, den ich bejahe und dann für den Rest meines Lebens «besitze». Die Berufung bleibt lebendig, wenn ich immer wieder ja zu ihr sage. Ich muss sie pflegen und sie lieben, wie alles, was wachsen und gedeihen soll, Pflege und Liebe nötig hat.

«Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen.» 
(Römer 8,28)

Gerne will ich meinen Bericht mit diesen Worten beginnen. Während vieler Jahre war dies für mich ein Bibelwort, das ich kenne und manchmal auch glaube, aber richtig überzeugt war ich davon nicht. Im Rückblick auf das Jahr 2002 darf ich allerdings bezeugen: Gott hat die Möglichkeit aus dem, was menschlich gesehen völlig verkehrt und daneben ist, Gutes, ja das Beste zu machen.


 

  
Schwester Silvia Pauli tanzt seit dem sechsten Lebensjahr.
Tanz ist für sie Gebet 
und Anbetung Gottes,
hier im Bild zu Psalm 130.

Seit dem 16. August 1986 gehöre ich zur Gemeinschaft Diakonissenhaus Riehen. Warum ich eingetreten bin? Weil ich von Gott eine Berufung in diese Lebensform erhalten habe. Eine Lebensform, die nicht einfach meinen Wünschen entsprach, nach diesen wollte ich Ehefrau und Mutter werden. 
Nachdem ich längere Zeit mit Gott gerungen habe, machte ich eine wichtige Erfahrung, ich realisierte: Gott liebt mich! Er zwingt mich nicht - ich darf entscheiden. Nur wenige Woche später sagte ich zu Jesus: «Herr, wenn du mich auf diesem Weg willst, dann bin ich bereit, ihn zu gehen und ich vertraue dir, dass du mir gibst, was ich nötig habe!» Ein tiefer Frieden erfüllte mein Herz und bestätigte meine Entscheidung.
In diesem Frieden begann ich meinen Weg als Diakonisse. In diesen Jahren gab es verschiedene Momente, in welchen ich bewusst meine Berufung im Alltag neu suchte und versuchte, sie zu leben.

Das Jahr 2002 forderte mich an diesem Punkt sehr heraus. Ich erlebte eine grosse Krise und fragte mich, was ich hier tue, denn «eigentlich wollte ich ja nie ledig bleiben!» Solche Gedanken verstärkten das Gefühl unfähig zu sein als Diakonisse zu leben, meiner Aufgabe gerecht zu werden und Gott, der Gemeinschaft und den Menschen zu dienen. Ich fühlte mich nur noch überfordert. Und überhaupt «ich bin nichts und kann nichts»! Kennen Sie auch solche Augenblicke? Eigentlich wissen wir, dass sie nicht wahr sind, sondern nur eine Momentaufnahme - eine Momentaufnahme, die aber leider über längere Zeit anhalten kann. Meine Reaktion darauf war: Flucht! Flucht in eine Traumwelt. Was zur Folge hatte, dass es immer schwieriger wurde, mich in meinem Alltag zu recht zu finden. 
Gott war so gnädig, mir an diesem Tiefpunkt zu begegnen und die Augen zu öffnen dafür, dass mein Platz heute noch hier in der Schwesterngemeinschaft ist! Warum? Weil Gott mich, weil er mich so sehr liebt, gerufen hat, IHM hier zu leben und zu dienen. Gott will mir hier mein «zu Hause - meine Heimat» geben. Sehr bewusst habe ich - nachdem mir klar wurde, was geschehen war - meine Einsegnungsversprechen erneuert. Daraufhin habe ich tief in meinem Herzen erfahren: «Jetzt bin ich heimgekommen.» Gott hat mich heim-geliebt!

Gott schenkt mir hier das Leben in Fülle (Das heisst nicht, dass es auf rosa Wolken schwebt!). Mein Leben ist reich. Berufung will und muss «gelebt» sein. Die Gemeinschaft eröffnet mir die Möglichkeit, dass die Berufung als ein bunter Strauss prächtiger Blumen strahlen darf.

Natürlich ist dieser Bericht nun sehr geprägt von meinem persönlichen Erleben im vergangenen Jahr, die Berufung leben im Alltag hat noch viele andere Facetten über die Sie in einem anderen Bericht vielleicht mehr erfahren . . .

 

Schwester Silvia Pauli, geboren 1964, arbeitet als Sekretärin im Sekretariat der Hausleitung und ist berufsbegleitend in der Ausbildung zur "Franklin-Bewegungs-Pädagogin".